Zeitzeugin schildert Schrecken des Holocaust

Gegen das Vergessen der schrecklichen Taten der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg und das unfassbare Leid der jüdischen Bevölkerung richteten sich gleich eine Reihe von Veranstaltungen, die in den letzten Wochen am Reckenberg-Berufskolleg Rheda-Wiedenbrück stattfanden. Den Auftakt bildete eine Autorenlesung mit Agnes Christofferson. Die in Herford lebende Schriftstellerin stellte ihren Roman „Elsas Stern“ vor, in dem das Grauen des Nazi-Regimes thematisiert wird. Die Lektüre des Romans galt für die Schülerinnen und Schüler gleichermaßen als Vorbereitung für eine Schülerfahrt nach Auschwitz, die im Februar durchgeführt wurde. Nach ihrer Fahrt setzten sich die Jugendlichen weiter sehr intensiv mit dem Holocaust und den Eindrücken auseinander, die sie selber in Auschwitz gemacht hatten. Sie erstellten mit Hilfe zahlreicher Bilder, gesammelter Informationen und persönlicher Schilderungen eine umfangreiche Ausstellung, die auf eine sehr individuelle Art und Weise zeigte, welchen Eindruck die Besichtigung des KZ und ein Gespräch mit einer Zeitzeugin bei den Teilnehmern der Auschwitz-Fahrt hinterlassen hatte. Mehr als 30 Klassen des Reckenberg-Berufskollegs – unter ihnen zahlreiche Auszubildende des dualen Systems und Schülerinnen und Schüler der Internationalen Klassen – besuchten die Ausstellung und behandelten die Thematik anschließend in Gesprächen im Politik- und Religionsunterricht. Zur jüngsten Veranstaltung einige Tage vor den Osterferien war schließlich die 81-jährige Rachel Klüger am Reckenberg-Berufskolleg zu Gast. Sie ist dem bundesweiten Projekt „Zeugen der Zeitzeugen“ angeschlossen. Das Projekt ermöglicht Begegnungen zwischen der letzten Generation der Holocaust-Überlebenden und heutigen Jugendlichen. Anliegen ist es, gemeinsam in einen Dialog zu treten, damit auch in Zukunft das Gedenken an den Holocaust lebendig zu halten und so selber zu „Zeugen der Zeitzeugen“ zu werden. Vor mehr als 250 Schülerinnen und Schülern der Fachoberschul- und Abiturklassen erzählte die in Rumänien geborene und aufgewachsene und heute in Neuss lebende pensionierte Biologie- und Chemielehrerin aus ihrem Leben. Als kleines Kind hatten sie und ihre Eltern den Massenmord an den Juden nur knapp überlebt. Die Familie wurde damals von Rumänien aus in ein Arbeitslager auf dem Gebiet der heutigen Ukraine deportiert. Mit Hilfe von Familienfotos und Landkarten ließ Rachel Klüger die Schülerinnen und Schüler an ihren Erinnerungen teilhaben. Die Zeitzeugin berichtete gleichermaßen authentisch wie sympathisch und beantwortete gern auch teilweise sehr persönliche Fragen zu ihren Gefühlen und ihrer Einstellung zu Deutschland, in das sie mit Mitte 30 von Rumänien aus umsiedelte.

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