Volle Busse und Fachkräftemangel:

Über 2.000 Schülerinnen und Schüler besuchen das Reckenberg-Berufskolleg in Rheda-Wiedenbrück. Viele von ihnen kommen aus dem gesamten Kreisgebiet und fahren täglich mit dem Bus. Auf einige Buslinien bedeutet das für die Jugendlichen Stress pur – Gründe dafür sind teilweise sehr volle Busse und nicht immer passende Fahrtzeiten nach Schulschluss. Janis Arnecke, Betriebsleiter des für den Kreis Gütersloh zuständigen Teutoburger-Wald-Verkehr-Busunternehmens (TWV) und Schüler/innen trafen sich dazu kürzlich zu einem offenen und kritischen Gespräch.

Janis Arnecke gab einen ausführlichen Blick hinter die organisatorischen und personellen Herausforderungen des TWV. Insgesamt fahren 180 Busse für das Unternehmen, das neben dem Kreisgebiet auch Strecken bis nach Hövelhof, Lippstadt und Bielefeld bedient. Für den allgemeinen Linienzuschnitt und die Anzahl der einzusetzenden Busse ist grundsätzlich der Kreis Gütersloh und als nächsthöhere Ebene die Detmolder Bezirksregierung verantwortlich. Das Aufgabengebiet des TWV liegt darin, das definierte Streckennetz zu bedienen und mit entsprechend sinnvollen Taktungen zu versehen. 

Der Differenzierungskurs Marketing des beruflichen Gymnasiums am Reckenberg-Berufskolleg hatte sich im Vorfeld gut auf den Austausch mit dem TWV-Vertreter vorbereitet. Die Schüler/innen hatten einen Fragenkatalog erarbeitet und zuvor alle Buslinien auf ihre Taktungen, Fahrtzeiten und Belegung überprüft, Beschwerden von Mitschülern/innen aufgenommen und die kritischen Linien übersichtlich aufgelistet. Ihnen war es besonders wichtig zu erfahren, warum manche Busse übervoll sind und nicht einfach mehr Busse eingesetzt werden können. Auch bemängelten sie die Abfahrtszeiten einiger Linien. So käme es an einigen Orten immer wieder zu langen Wartezeiten, bis man mit einer weiteren Linie am Nachmittag von der Schule nach Hause käme. Auch kann man den passenden Nahverkehrszug nicht mehr erreichen, weil die Bustaktung nicht mit den Zugtaktungen abgestimmt sei. Manch Jugendlicher ist so schnell zwei Stunden unterwegs, bis er nachmittags von der Schule zu Hause ist.

An einigen Stellen, so z.B. bei der sehr stark frequentierten Linie von Gütersloh nach Rheda-Wiedenbrück und zurück stellte der Betriebsleiter des TWV in Aussicht, dass nach Verbesserungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel dem Einsatz von größeren Gelenkbussen, gesucht werde. Doch dass das nicht so einfach ist, machte er auch deutlich. So leide die Branche besonders unter dem Fachkräftemangel und könne somit schlicht und ergreifend auch zu Spitzenzeiten einfach nicht mehr Busse einsetzen, weil die Fahrer fehlen. Bei den Abstimmungen der verschiedenen Taktungen und Anschlussbusse gelte es zudem, nicht nur eine bestimmte Linie, sondern mehrere im Blick zu haben. Gleichermaßen dankte Janis Arnecke den Schüler/innen für Zusammenstellung der kritischen Punkte, die es an verschiedenen Linien zu verbessern gelte. Er bat darum, auffällige Probleme und Beschwerden, den zuständigen Stellen direkt zu melden. Denn nur so könne das Unternehmen auch reagieren und nach alternativen Möglichkeiten suchen.

Für die Schüler/innen bedeutete der Besuch des Fachmanns aus dem öffentlichen Personennahverkehr vor allem, dass sie die Problematik auch aus einem anderen Blickwinkel wahrnehmen konnte. So war es beispielsweise auch interessant zu erfahren, warum der TWV im ländlichen Raum derzeit keine Elektro-Busse anschafft. Die Fahrzeuge, so Arnecke, seien täglich oft mehr als 300 Kilometer insgesamt unterwegs. Ein Elektro-Bus müsste bei einer solchen Kilometerzahl zwischendurch aufgeladen werden – und das sei derzeit nicht leistbar und bedeute noch mehr Schwierigkeiten, Fahrpläne und –zeiten anbieten und einhalten zu können.

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