Tierische Lernpartner im Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen am Reckenberg-Berufskolleg

Auszubildende der Fachschule für Sozialpädagogik sowie der Kinderpflege am Reckenberg-Berufskolleg. Rheda-Wiedenbrück bekommen seit einiger Zeit regelmäßig Besuch von Schulhündin „Fran“. An einigen Wochentagen begleitet sie ihre Besitzerin und Lehrerin Anna Wehmöller, die eine Ausbildung zur „Fachkraft für tiergestützte Interventionen“ absolviert hat, in beiden Bildungsgängen. Studierende der Fachschule für Sozialpädagogik im Anerkennungsjahr hatten zudem im Januar 2022 die Möglichkeit, sich im Rahmen des Blockunterrichts auch intensiver mit dem Thema pferdgestützte Pädagogik auseinanderzusetzen.

Die positiven Auswirkungen von Tieren werden zunehmend in allen pädagogischen und therapeutischen Bereichen erkannt und genutzt. Nun auch am Reckenberg-Berufskolleg. Tiere können u.a. eine beruhigende Wirkung haben, in stressigen Situationen helfen, soziale Brücken bauen, beim Aufbau von Einfühlungsvermögen unterstützen und das Selbstwertgefühl steigern. Sie bewerten nicht, geben unmittelbare und ehrliche Reaktionen auf ein Verhalten und sind dadurch verlässliche Partner. Diese positiven Effekte lassen sich an den Besuchstagen von Fran in unterschiedlichen Ausprägungen während des Unterrichts erkennen. Wenn Fran den Klassenraum (oder auch das Lehrerzimmer betritt) wird oftmals zunächst der Hund sehr freudig begrüßt und dann seine Besitzerin am Ende der Leine. Dies zeigt die oftmals grundsätzlich positive Wirkung des Hundes im Rahmen des Schullalltags.

Während des Unterrichts wirkt Fran zum Beispiel indirekt, wenn sie während einer Arbeitsphase oder Klausur auf ihrer Matte im Klassenraum schläft und so etwas zur Entspannung beiträgt. Sie wird aber auch direkt immer wieder in den Unterricht einbezogen, durch kleine Spiele oder Aufgaben für oder mit ihr. So entscheidet zum Beispiel Fran durch das Würfeln eines Schaumstoffwürfels mit ihrer Schnauze, welche Gruppe mit einem vorbereiteten Vortrag beginnt. Das lockert den Unterricht auf und trägt zu einer positiven Atmosphäre bei.

Ebenso werden in beiden Bildungsgängen zwischenzeitlich immer wieder Übungen im Stuhlkreis eingebaut, um die Wirkungsweisen von Tieren im pädagogischen Bereich praktisch zu verdeutlichen. Die Auszubildenden erleben also durch Selbsterfahrungen wie ein Hund die Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen in den unterschiedlichen Entwicklungs- und Bildungsbereichen unterstützen kann: Ein zurückhaltendes Kita-Kind, das einem Hund z.B. Kommandos wie „Sitz“ oder „Platz“ gibt und hierbei Erfolg hat wird in seinem Selbstbewusstsein und somit seiner emotionalen Entwicklung gefördert. Wenn Kinder und Jugendliche lernen die Ausdruckssignale des Hundes genau zu beobachten, zu deuten und sich entsprechend zu verhalten, wird dadurch die soziale Entwicklung unterstützt. Der Hund zeigt nämlich unmittelbar eine Reaktion auf ein menschliches Verhalten. Dadurch kann Empathie und Rücksichtnahme erweitert werden. Ebenso ist das Lernen für viele Kinder durch die Unterstützung des Hundes positiver besetzt. Liest z.B. ein Grundschulkind einem Hund aus einem Schulbuch vor fällt es diesem oftmals leichter, weil der Hund geduldig zuhört und er Fehler oder Langsamkeit nicht bewertet, wie es menschliche Zuhörer*innen möglicherweise tun würden.

Durch diese und weitere praktische Beispiele nehmen die Auszubildenden Erfahrungen und Informationen für ihr späteres Berufsleben in den unterschiedlichen pädagogischen Einrichtungen wie z.B. Kindertagesstätten, offene Ganztagsgrundschulen oder Jugendhilfeeinrichtungen, mit.

Bereits im Januar besuchte Christiane Rux vom „Erlebnis Pferd“ aus Steinhagen mit zwei Pferden die Schule bzw. eher gesagt den Schulhof. Nach einer kurzen Vorstellung der verschiedenen Einsatzmöglichkeiten des Pferdes im Rahmen des therapeutischen Reitens ging es raus auf den Schulhof, wo die Studierenden von Christiane Rux und ihrem Team „Erlebnis Pferd“ und den beiden irischen Tinkern „Jazz“ und „Sir Barnaby“ empfangen wurden. Die beiden 10-jährigen Pferde (im Besitz der Annette – Schlichte – Steinhäger Stiftung) die eigens für diese Arbeit ausgebildet wurden, werden seit Jahren erfolgreich in der pferdegestützten Heilpädagogik eingesetzt und sind schon durch ihr etwas außergewöhnliches Aussehen ein Hingucker. Hinzu kommt ihr sanftmütiges Wesen, das in fast jedem das Bedürfnis weckt, sie zu berühren, zu streicheln oder zu kraulen. Und so war das Eis schnell gebrochen und die Studierenden durften ihre eigenen Erfahrungen sammeln, in dem sie die Pferde für den weiteren Unterrichtsverlauf putzten und aufsattelten und im Anschluss selbst auf das Pferd steigen durften. Für einige war es schon eine kleine Herausforderung, die eigenen Ängste zu überwinden und aus der Position des Beobachters herauszutreten und aktiv zu werden. Die Studierenden hatten so auch am zweiten Tag die Chance eine Selbsterfahrung zu erleben und diese dann wieder auf ihr späteres Arbeitsleben zu übertragen.

Alle Tiere sind Therapeuten. Nur die meisten arbeiten undercover.

Einsatz von Therapiehund Fran im Unterricht im Bildungsgang der staatl. geprüften Kinderpfleger/innen und Lehrerin und Hundebesitzerin Anna Wehmöller.
Therapiehund Fran besucht regelmäßig das Reckenberg-Berufskolleg Rheda-Wiedenbrück.
Auch zwei Therapiepferde waren bereits auf dem Schulhof des Reckenberg-Berufskollegs zu Besuch. Unser Bild zeigt eine Klasse der Erzieher/innen mit Lehrerin anna Wehmöller (1.v.l.) und Pferdefachfrau Christiane Rux (2.v.r. knieend).

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