Schutzmasken aus Plexiglas für Lehrer werden von Schüler gefertigt

Die Lehrerinnen und Lehrer des Reckenberg-Berufskollegs in Rheda-Wiedenbrück tragen in der Schule und während des Unterrichts ab sofort nicht nur die herkömmlichen Mund-Nase-Masken. Ihnen stehen dank des Engagements und Einsatzes eines Schülers und seiner Kumpel zusätzlich rund 130 Sichtschutzmasken zur Verfügung, die das Unterrichten in Zeiten der Corona-Krise erleichtern. Justus Barkow absolviert eine schulische Ausbildung zum staatl. geprüften Sozialassistenten am Reckenberg-Berufskolleg. Der 19-jährige besucht derzeit die Unterstufe des zweijährigen Bildungsgangs und sitzt – wie so viele andere Schülerinnen und Schüler auch – seit einigen Wochen zuhause und erhält Online-Unterricht. In seiner Freizeit engagiert sich der Clarholzer sozial und arbeitet in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung. Dort wurde die Idee geboren, dass Justus, der nicht nur im Besitz eines 3-D-Druckers sondern auch überaus technikaffin ist, vielleicht ein paar Sichtschutzmasken für Bewohner und Personal herstellen könnte. Das war vor rund zwei Wochen. So produzierte er gemeinsam mit seinem Kumpel David Schöning (18 Jahre), der als Student der Fachrichtung Maschinenbau ebenfalls über großes technisches Verständnis verfügt, zunächst insgesamt 30 Masken. „Das klappte ziemlich gut und hat auch echt Spaß gemacht“, berichten die beiden. Das Stirnband der Masken aus Kunststoff wird dabei vom 3-D-Drucker gefertigt und anschließend mit einer Plexiglas-Scheibe verbunden, die die Größe eines DIN A-4 Blatts hat. „Das Design für die Stirnhalterung ist im Internet für die Community frei abrufbar, sofern es nicht für kommerzielle sondern für soziale und private Zwecke verwendet wird“, erklärt Justus Barkow. Die Masken werden mittels mehrerer Arbeitsschritte hergestellt. Nach Programmierung und Druckauftrag verwandelt der 3-D-Drucker eine einfache Kunststoffschnur in ein stabiles Stirnband. Auf einer Rolle befinden sich 330 Meter Kunststoffschnur – davon lassen sich rund 60 Stirnbänder fertigen. Der Kunststoff, eine Polymilchsäure, ist biologisch abbaubar. Danach muss das zuvor zurechtgeschnittene Plexiglas an den passenden Stellen gelocht und mit dem Stirnriemen fest verbunden werden. Das von Justus und David verwendete Plexiglas stammt aus dem Fundus von Davids Opa, der eine große Rolle seit über 20 Jahren im hauseigenen Keller stehen hatte, und ist quasi ein Zufallsfund. Beim letzten Online-Videochat, den Justus mit seinem Klassenlehrer hatte, sah dieser zufällig auf dem Schreibtisch des Schülers einige Sichtschutzmasken liegen – und schnell war die Idee geboren, dass so etwas genau das richtige für die Lehrer sein könnte, wenn der Unterricht wieder aufgenommen werde. Flugs informierte der Klassenlehrer Schulleiterin Elke Brost, die wiederum – natürlich unter Einhaltung des nötigen Sicherheitsabstands – gleich eine Handvoll Masken zum An- und Ausprobieren abholte und schlichtweg begeistert war. „Wir möchten unsere Schüler, und natürlich auch die Kollegen, so gut wie möglich vor einer Tröpfcheninfektion schützen können. Dazu sind die Sichtschutzmasken ideal“, erklärt sie. Durch Mund-Nase-Masken sei die Verständlichkeit bei der Kommunikation eingeschränkt und im Unterricht müsse nun mal viel gesprochen werden. „Das Sprechen geht mit dem Tragen des Sichtschutzes viel besser. Und mit dem Einhalten des Sicherheitsabstands zu den Schülern sind wir gut ausgestattet“, resümiert sie. Sie gab Masken für die gesamte Lehrerschaft bei Justus in Auftrag. Der holte sich mit Ben (18 Jahre und ebenfalls Student) und Ruven (16 Jahre, Gymnasialschüler) Kreft noch weitere Mitstreiter an Bord. Inzwischen laufen drei 3-D-Drucker fast rund um die Uhr und auf Hochtouren, denn zur Herstellung eines Stirnbandes wird rund eine Stunde benötigt. „Zurzeit stellen wir uns auch nachts die Wecker, damit wir durchgehend produzieren können“, erzählen David und Justus. Die Masken geben die Jungs zum Selbstkostenpreis ab. „Es geht nicht um’s Geldverdienen, sondern darum sich solidarisch zu zeigen, Unterstützung zu geben und nicht nur zu reden sondern auch zu tun“, unterstreicht Justus.

Justus Barkow (r.) und David Schöning produzieren zuhause und in der schulfreien Zeit Sichtschutzmasken für die Lehrer des Reckenberg-Berufskollegs.
Justus Barkow (r.) und David Schöning produzieren zuhause und in der schulfreien Zeit Sichtschutzmasken für die Lehrer des Reckenberg-Berufskollegs.

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