Rechtsextreme Einstellungen nicht hinnehmen, sondern handeln!

Fachabiturienten des Reckenberg-Berufskollegs führten nach umfangreicher Schülerbefragung ein Diskussionsforum mit externen Fachleuten durch Über 150 Schülerinnen und Schüler des Reckenberg-Berufskollegs nahmen kürzlich an einem Diskussionsforum zum Thema „Rechtsextreme Einstellungen“ teil. Eingeladen waren auch externe Fachleute aus der Region, die aktiv in verschiedenen Gesprächsrunden mit den Jugendlichen diskutierten und gemeinsam nach Ansätzen suchten, um rechtsextremen Einstellungen gerade auch unter Jugendlichen entgegenwirken zu können. Dass die Problematik die Schülerinnen und Schüler sehr beschäftigt, zeigte sich bereits in der Vorarbeit, die die jungen Leute in Form eines Unterrichtsprojekts geleistet hatten. Zwei Fachabiturklassen befragten im vergangenen Dezember und Januar 671 Mitschülerinnen und Mitschüler zu ihren Einstellungen und ihrer Persönlichkeit. Sie fanden heraus, dass autoritäre Charakterzüge eine Hauptursache für rechtsextreme Einstellungen und Fremdenfeindlichkeit sein können – und die Aussage „Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“ wurde von rund 52 Prozent der Befragten befürwortet oder zumindest toleriert. Die sehr umfangreiche Befragung der Schülerinnen und Schüler ist angelehnt an die „Leipziger Autoritarismus-Studie, in der alle zwei Jahre bundesweit Deutsche zu ihren Einstellungen befragt werden. Die Ergebnisse am Rheda-Wiedenbrücker Berufskolleg decken sich im Wesentlichen mit denen der bundesweiten Studie: Rund 40 Prozent zeigen die Bereitschaft, ein autoritäres System und rigide Ideologien zu unterstützen. Fast ebenso viele fühlen sich durch Ausländer „überfremdet“. Mit dem Hang zu autoritären Einstellungen geht teilweise auch eine „Verschwörungsmentalität“ und Unzufriedenheit mit der Demokratie einher. Die Schülerinnen und Schüler der Fachabiturklassen unter Leitung der Politiklehrer Meike Hagemeier und Tilman Kipp wollten diese Ergebnisse nicht unkommentiert stehenlassen. So organisierten sie das Diskussionsforum und luden kurzerhand gleich sechs Fachleute aus der Region ein, um mit ihnen über die Gefahren rechtsextremer Einstellungen ins Gespräch zu kommen und sich vor allem über mögliche Lösungsansätze und Ideen auszutauschen, wie man solchen Tendenzen entgegentreten kann. Rheda-Wiedenbrücks Beigeordneter Dr. Georg Robra, VHS Reckenberg-Ems-Leiter Dr. Rüdiger Krüger, Miriam Epp vom Jugendmigrationsdienst der Diakonie Gütersloh, Niko Mokros vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld, Dario Schach von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold und Pfarrer Jo La Gro als Bezirksbeauftragter für Religionsunterricht an Berufskollegs des Kirchenkreises Gütersloh waren der Einladung gern gefolgt, zeigten sich vom Engagement der Schülerinnen und Schüler beeindruckt und stiegen gleich in die verschiedenen Gesprächsrunden rund um Intervention und Prävention ein. Im Detail ging es beispielsweise um Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus, Verharmlosung des Nationalsozialismus, aber auch sozialdarwinistische und chauvinistische Einstellungen oder die Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur. Neben den Fachabiturienten verstärkten auch Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums für Erziehungswissenschaft, angehende Erzieherinnen und Erzieher der Fachschule für Sozialpädagogik sowie Auszubildende zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik die Diskussionsrunden. Die Ergebnisse des Austausches über den Tellerrand der Schule hinweg sind vielfältig und sollen künftig weiter ausgebaut werden: Es wurden Ideen für ein interkulturelles Fest oder Sportfest entwickelt. Auch wurde angeregt, politische Parteien in die Schule zu holen, damit deren Vertreter Fragen von Schülern beantworten. Eine engere Kooperation zwischen Schule und insbesondere Mobiler Beratung und der Universität Bielefeld ist zudem angedacht.

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