Im Stationenparcours viel über HIV und Aids erfahren

pro familia, AWO und Kreis Gütersloh klären zum Welt-Aids-Tag Schüler und Schülerinnen am Reckenberg-Berufskolleg auf Aids? – Ist das überhaupt noch ein akutes Thema bei Jugendlichen? Und wissen junge Menschen über die Infektion mit dem HI-Virus wirklich gut Bescheid? – Am Reckenberg-Berufskolleg Rheda-Wiedenbrück standen diese und jede Menge anderer Fragen im Mittelpunkt einer Aktion, die in der vergangenen Woche anlässlich des diesjährigen Welt-Aids-Tages in Kooperation mit dem Gesundheitsamt des Kreises Gütersloh, der AWO und pro familia stattfand. Die Schülerinnen und Schüler aus Klassen des dualen Systems, der Sozialassistenten, der Arbeitsvorbereitung und der Internationalen Klassen erfuhren beim Durchlaufen eines Aktionsparcours an vier Stationen nicht nur jede Menge über die Viruserkrankung, sondern hatten vor allem auch Gelegenheit, jegliche Fragen rund um das Thema Sexualität sowie Geschlechtskrankheiten zu stellen. „Teilweise gibt es bei den jungen Leuten wenig Wissen über sexuell übertragbare Krankheiten“, erklärt Jörg Lechthoff von pro familia nach der Aktion, die über zwei Tage am Berufskolleg lief. „Besonders Aids findet in der Wahrnehmung oft gar nicht mehr statt.“ Ansteckungswege und Verlauf der Krankheit seien nicht präsent. Hier gelte es aufzuklären und miteinander ins Gespräch zu kommen, stimmt auch Theo Koppers, Arzt beim Gesundheitsamt, zu. Das Motto des Welt-Aids-Tages lautet „Du hast HIV? Damit komme ich klar. Streich deine Vorurteile.“ Es macht deutlich, worunter HIV-positive Menschen in Deutschland heute am meisten leiden. Es ist weniger die Krankheit Aids selbst, die durch hoch wirksame Medikamente gut in Schach gehalten werden kann, sondern es ist die Ausgrenzung, die Menschen erfahren, die HIV-positiv sind. Für den Großteil der Betroffenen ist es schwer, sich als HIV-positiv zu outen, wenn sie annehmen müssen, dass ihre Mitmenschen glauben, dass sich Aids durch Speichel oder Mückenstiche übertragen lässt. Die Vorstellungen, die von der Krankheit Aids und insbesondere von der HIV-Infektion im Bewusstsein der Öffentlichkeit bestehen würden, entsprächen schon lange nicht mehr der Realität, erklärten die Fachleute den Jugendlichen. Es gebe keinen Grund, warum zum Beispiel eine HIV-positive Erzieherin nicht in einer Kindertagesstätte arbeiten, ein positiver Fußballer nicht auf Torejagd gehen und ein Schüler nicht ein Berufskolleg besuchen sollte. In Deutschland leben derzeit ca. 90.000 Menschen mit HIV, davon in NRW ca. 19.300. Im vergangenen Jahr waren in NRW ca. 510 Neuinfektionen zu verzeichnen. Weltweit leben rund 37,9 Millionen Menschen mit HIV, wovon 2018 rund 1,7 Millionen Neuinfektionen gezählt wurden. Während es in Deutschland hochwirksame Medikamente gibt, haben über 60 Prozent aller Betroffenen bislang keinen Zugang zu den lebensnotwendigen Medikamenten, die die Krankheit nicht ausbrechen lassen. Den meisten der teilnehmenden Reckenberg-Schülern und Schülerinnen war nicht klar, dass bei entsprechender medizinischer Behandlung, wie sie in Deutschland möglich ist, ein langes Leben mit dem HI-Virus möglich ist, und auch eine Ansteckung – selbst bei Blutkontakt und ungeschütztem Sex – ausgeschlossen werden kann. Dies machten die Referenten deutlich. „Am wichtigsten ist es, dass wir durch Aktionen wie den Welt-Aids-Tag den Jugendlichen die Scheu nehmen über Sex, Verhütung und Geschlechtskrankheiten offen zu sprechen“, resümiert Jutta Albrecht von der AWO-Aidsprävention.

Klärten mittels eines Aktionsparcours über Aids und HIV am Reckenberg-Berufskolleg auf: v.l. Christian Descher (Lehrer und Fachbereichsleiter), Christina Lüffe (Lehrerin), Jörg Lechthoff (pro familia), Theo Koppers (Gesundheitsamt), Jutta Albrecht (AWO) Almuth Duensing , Sarah Schlüter (beide pro familia), Sofie Horstmann (AWO) sowie sitzend und 3.v.l. stehend Schüler der Internationalen Klassen am Reckenberg-Berufskolleg.

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