Theresienstadt

Am dritten Tag unseres Aufenthaltes ging es mit einer einstündigen Fahrt in Richtung Theresienstadt los. Während der Busfahrt haben zwei Schülerinnen aus der FOSO2 einen Kurzvortrag über das Konzentrationslager in Theresienstadt gehalten und uns somit auf die bevorstehende Besichtigung vorbereitet.

Das Lager Theresienstadt wurde in Terezín (deutsch Theresienstadt, heute in Tschechien) eingerichtet.
Die Festungsstadt wurde im 18. Jahrhundert von Kaiser Joseph II. errichtet und nach der Besetzung von Böhmens und Mährens durch das Dritte Reich zu einem Konzentrationslager umfunktioniert worden. Die Stadt gliedert sich in zwei Teile: in die Garnisonsstadt und den befestigten Brückenkopf Kleine Festung.  
Das Konzentrationslager „Theresienstadt“ wurde als Endstation für die Juden bezeichnet. An das 1940 errichtete Gestapo-Gefängnis in der Kleinen Festung wurden von 1940 bis 1945  27.000 Männer und 5.000 Frauen überstellt. Davon starben 2.500 aufgrund von  Folter, Krankheiten und/oder Lebens- und Arbeitsbedingungen. 250 Insassen wurden in der Festung selbst hingerichtet. In der Kleinen Festung wurden bis Kriegsende überwiegend Tschechen festgehalten, darunter viele Widerständler gegen das NS-Regime.

Wir durften uns die einzelnen Zellen anschauen - das Gefühl dabei war bedrückend. Wir standen eingeengt zu ca. 40 Personen in einem solchen Schlafraum, wo zur NS-Zeit ca. 30 Insassen jede Nacht in Hochbetten geschlafen haben.

Eine enge Zelle
Hochbetten für die Insassen

Während der Führung wurde die Betonung oft darauf gelegt, wie sehr die Nationalsozialisten in dieser Zeit probiert haben, die positive Außenerscheinung von Theresienstadt aufrecht zu erhalten. In der NS-Propaganda wurde Theresienstadt als „Altersghetto“ und „jüdische Mustersiedlung“ dargestellt. Durch eine eigene Währung, eigene Briefmarken und eigene Personalausweise, sollte die Funktion als Vorzeigelager ausgeprägt werden. Dass in dieser Zeit ein unglaubliches und unentdecktes Schauspiel stattfand, wurde auch uns erst richtig bewusst, als wir nach der Besichtigung einen Propagandafilm über Theresienstadt  gesehen haben. Im Anschluss an den Besuch der IKRK-Kommission wurde der Film "Theresienstadt: Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet“ vom August bis September 1944 gedreht. In diesem sollte noch einmal gezeigt werden, wie gut es den Juden unter den „Wohltaten“ des Dritten Reiches in der „Endstation“ ging. Um dies zu schaffen, wurden mitten in der Stadt Kulissen aufgestellt und richtige Schauspiele in Form von Stadtfesten und Sportturnieren veranstaltet.
Die Gesamtzahl der Männer, Frauen und Kinder, die in das Theresienstädter Ghetto deportiert wurden, betrug bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges etwa 140.000. Während der letzten Kriegstage trafen noch einmal 13.000 weitere Gefangene ein, die aus liquidierten Konzentrationslagern in Deutschland und Polen nach Theresienstadt deportiert worden waren.
Unter den Häftlingen in Theresienstadt befanden sich etwa 15.000 Kinder, die in sogenannten „Kinderheimen“ nach Geschlechtern und Jahrgängen getrennt untergebracht wurden. Insgesamt überlebten von den Kindern, die ebenfalls von der SS in die Vernichtungslager geschickt wurden, nur etwa 150 das Kriegsende.
In dem ehemaligen Kinderheim L417, das zuvor als Schule diente und in dem Knaben im Alter von 10 bis 15 Jahren inhaftiert wurden, befindet sich seit 1991 das Ghetto-Museum, welches wir nach einer kurzen Rundfahrt durch in die heute noch bewohnte Stadt Terezin, besichtigt haben. Dort konnten wir uns eine eindrucksvolle Kulisse eines Schlafraums anschauen. Außerdem waren dort Zeichnungen und Schriftstücke von dort lebenden bzw. inhaftierten Juden über deren Alltag ausgestellt. 
Alles in allem, war dieser Ausflug sehr eindrucksvoll und interessant. Unserer Meinung nach sollte jeder der die Möglichkeit hat, ein KZ zu besichtigen, die Chance auch nutzen. Auch wenn dort Grausames passiert ist, ist es beachtlich wie ein einziger Mann in vielen verschiedenen Ländern Parallelgesellschaften bilden und unentdeckt aufrecht erhalten konnte. Die Frage wie dieses unglaubliche Konstrukt über Jahre hinweg verschwiegen und für positiv gehalten werden konnte, lässt uns über unserer eigenen Gesellschaft nachdenken. Nach einer solchen Besichtigung von einem Wohnort, fängt an man über seine eigene Lebensweise nach zu denken. Wir merken, dass wir mehr was in der Politik und in unserer Gesellschaft passiert hinterfragen und kritisieren sollten. Wir sind ebenfalls davon überzeugt, dass ein solches Phänomen wie die Person von Adolf Hitler ein weiteres Mal auf die Welt treffen kann, wenn wir nicht bereit sind uns mehr mit der Weltpolitik auseinander zusetzen.

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