„Man muss sich erinnern, aber nicht dafür schämen“

Schüler vom Reckenberg-Berufskolleg diskutieren mit Autorin über Holocaust-Roman

„Auschwitz war ein solch schrecklicher Ort, dass Gott beschloss, nicht dort zu sein“. - Mit diesem Vorwort einer Holocaust-Überlebenden beginnt der Roman „Elsas Stern“ der Schriftstellerin Agnes Christofferson. Die in Herford lebende Autorin war kürzlich Gast im Reckenberg-Berufskolleg Rheda-Wiedenbrück und tauschte sich mit Fachabiturienten über den Entstehungsprozess und die Thematik ihres Romans aus.

Die Lektüre des Romans, der im Jahr 2014 erschien, und die anschließende Diskussionsrunde stellte einen von mehreren Bausteinen dar, mit denen sich die Schüler des Berufskollegs in einer Schwerpunktreihe zum Holocaust in den letzten Monaten im Politikunterricht auseinandergesetzt hatten. Die Lektüre diente auch zur Vorbereitung einer Studienfahrt mit Schülerinnen und Schülern der Fachoberschule nach Auschwitz, die Ende Februar einige Tage im Anschluss an die Gesprächsrunde mit der Autorin stattfand. Für das Reckenberg-Berufskolleg war es die erste Studienfahrt, die überhaupt mit Schülern nach Auschwitz durchgeführt wurde. „Auch als Schule mit einem deutlich beruflichen Ausbildungsschwerpunkt ist es uns wichtig, die historische Dimension und Verantwortung für unsere Schüler begreifbar zu machen“, erklärt Fachbereichsleiter und Fachlehrer Jens Rybak. Der Roman stelle dabei einen gleichermaßen schülergerechten wie auch historisch realistischen Einstieg dar. „Es ist ein Glücksfall, dass wir die Autorin zum Austausch zu uns einladen konnten“, resümiert er. Denn auch wenn es sich um eine fiktive Schilderung handele, seien die geschichtlich relevanten Aspekte des Grauens rund um und in Auschwitz klar dargestellt. Der Roman, so schilderte die in Polen geborene und mit zwölf Jahren nach Deutschland eingewanderte Autorin in der Gesprächsrunde, basiere allein auf Gespräche mit Zeitzeugen sowie historischen Zeitzeugenberichten. Sie habe vor dem eigentlichen Schreiben rund drei Jahre recherchiert. In Auschwitz selber sei sie noch nie gewesen. Genau wie für die Schülerinnen und Schüler, die zahlreiche weitere Fragen zu Figuren und Charakteristiken sowie zur Entstehung der Erzählung hatten, war die offene Gesprächsrunde auch für die Schriftstellerin etwas ganz Neues. Denn normalerweise, so ihre eigene Angabe, scheue sie Autorenlesungen. Doch gerade mit jungen Menschen zu diskutieren, sei ihr ein Herzenswunsch. Sie schreibe, damit die Geschehnisse und das Grauen des Nationalsozialismus nicht vergessen würden. „Man muss sich daran erinnern, aber man muss sich dafür nicht schämen“, resümierte Agnes Christoffersson.

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